Am 9. März 2022 hat in Bern eine Kundgebung zur Umsetzung der UN-BRK stattgefunden. Rund 1´000 Leute fanden sich auf dem Waisenhausplatz ein. Es soll ein Weckruf sein: denn obwohl die Schweiz bereits im 2014 die UN-BRK ratifiziert hat, wurde die Umsetzung nicht konsequent durchgeführt. Was können Menschen mit Behinderung selber dazu beitragen und sich vielleicht politisch engagieren? 

Mitglieder der Vereinigung Cerebral Schweiz hatten die Möglichkeit, nach der Kundgebung das Bundeshaus zu besuchen und unter anderem an einem exklusiven Austausch mit Maya Graf, Ständerätin der Grünen, Basel-Land, teilnehmen. Alle habe sich in einem der grosszügigen Kommissionszimmer eingefunden. Der Empfang war herzlich. Die Mitglieder der Vereinigung wirkten neugierig und motiviert. Zu Beginn war auch noch kurzfristig Christian Lohr, Nationalrat der Partei Die Mitte, mit dabei. Er habe spontan mitbekommen, dass dieser Austausch stattfinden soll und wollte auch noch ein paar Worte an die Mitglieder der Vereinigung Cerebral richten. 

Wie haben Sie es geschafft in die Politik zu kommen? Wie wichtig ist es, dass Sie behindert und in der Politik sind?

Christian Lohr: Dies ist nicht abschliessend zu beantworten. Interesse dafür habe ich bereits in der Familie entwickelt. Wichtig ist, sich eine Meinung zu bilden. Als Mensch mit Behinderung wird man nicht selbstverständlich gewählt, man muss sich genauso engagieren und etwas leisten wie nicht-behinderte Menschen. Ursprünglich bin ich Journalist, der sich mit sozialpolitischen Themen auseinander gesetzt hat -  man kannte mich. So kam ich Stück für Stück in die Politik.  

Wie kann man sich noch mehr politisch engagieren?

Christian Lohr: Gehen Sie direkt auf die Politiker:innen zu und sprechen Sie sie an. Ebenso ist es wichtig, dass Sie hartnäckig und auch mal unangenehm sind. Da die Behindertenpolitik parteiübergreifend ist, braucht es die Parteivielfalt, um etwas zu erreichen. Beim Thema Behinderung macht es uns erst betroffen, wenn wir selbst betroffen sind! 

Nun zu Ihnen Maya Graf, wie kamen Sie in den Ständerat?

Maya Graf: Ich war vorher im Nationalrat und nun seit den letzten Wahlen im Ständerat. Tätig bin ich in drei Kommissionen: Einerseits bin ich in der sozialen Sicherheits- und Gesundheitskommission, sowie in der Wissenschafts-, Bildungs- und Kulturkommission. Hierzu wurde mir während der Kundgebung bewusst, wie wichtig, dass Integration von Menschen mit Behinderung im Arbeitsmarkt ist. Zudem bin ich in der Geschäftsprüfungskommission - diese Kommission berät und sieht in die laufenden Geschäfte vom Bundesrat. 

Wo findet man Infos zu den laufenden Geschäften?

Maya Graf: Informationen zu den Geschäften finden Sie unter www.parlament.ch, wenn man die Geschäftsnummer oder den Namen vom Geschäft kennt, kann man Einsicht in die laufenden Geschäfte erhalten. Wenn Fragen zu Geschäften Ihrerseits bestehen, dürfen Sie mir jederzeit eine Mail schreiben – besonders, wenn es ein Thema meiner Kommissionen betrifft. 

Zur UN-BRK: Was sind die weiteren Schritte?

Maya Graf: Da ist der Bundesrat hauptverantwortlich. Aber auch das Parlament kann aktiv werden, indem Vorstösse eingereicht werden können. Wir vom Parlament wollen auch, dass es vorangeht.

Welche Eigenschaften sollte ein:e angehende:r Politiker:in haben?

Maya Graf: Eine gewisse Robustheit, welche, so denke ich, Sie alle hier mitbringen. Man muss auch mal verlieren können und sich trotzdem nicht entmutigen lassen, um sein Ziel zu erreichen.

 

Fazit dieses Austausches: Ja, jede:r kann sich politisch engagieren, wenn man das will. Bereits in der Gemeinde oder im Kanton.  Forderungen oder Vorstösse können bereits einem Landrat des entsprechenden Kantons gestellt werden.  Als Mensch mit Behinderung kann man sich bereits in der Gemeinde wirkungsvoll engagieren, weil man die Veränderungen direkt sieht. Bewegen kannst du, wenn du selber bewegst!

 

Vanessa Leuthold,

Reporterin ohne Barrieren